Der Elefantenfelsen im Ennedi-Massiv
Natur & Tiere

Das Ennedi-Massiv: Der Garten Eden der Sahara

Von am 10. April 2018

Mit einer Fläche von 40.000 Quadratkilometern ist das Ennedi-Massiv im Tschad fast so groß wie die Schweiz. Dem Kölner Wüstenforscher Stefan Kröpelin ist es zu verdanken, dass das einzigartige Gebiet endlich die verdiente Aufmerksamkeit erhält.

Stefan Kröpelin hat sein Herz an den Tschad verloren. Seit 1982 ist er in dem zentralafrikanischen Land aktiv, seit 1999 unternimmt er regelmäßig Expeditionen in den Norden des Tschad. Dabei wird er von seinem Kollegen Baba Mallaye unterstützt, der für die Welterbestätten im Tschad zuständig ist.

Kröpelin hat für den Tschad Großartiges geleistet. Er löste das Rätsel der Seen von Ouinanga, die trotz enormer Verdunstung ihren Wasserstand halten. Seine Forschung hatte wesentlichen Anteil daran, dass acht Seen 2012 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Es war die erste Welterbestätte des Tschad überhaupt.

Zeitreise in die grüne Sahara

Seit Juli 2016 ist das Ennedi-Plateau Welterbe der UNESCO. 18 Jahre lange hatte Kröpelin auf die Anerkennung hingearbeitet. Für den Afrikaforscher aus Köln ist das Gebiet im Nordosten des Tschad überhaupt der „interessanteste Teil der Sahara.“ Warum? Das Massiv erlaubt einen Zeitsprung in grüne Sahara, wie sie vor 10.000 bis 5.000 Jahren existiert hat.

Denn: Die Sahara einst ein fruchtbares Gebiet. Starke Monsunregen hatten die Wüste in einen vitalen Lebensraum verwandelt. Erst später wurde die Sahara durch die Klimaveränderung zu einem unwirtlichen Ort.

In der Trockenzeit kommen täglich hunderte Kamele zu den Wasserstellen des Ennedi-Massivs. (Bild: David Stanley, CC BY 2.0)

In den bis zu 200 Metern tiefen Schluchten des Ennedi-Massivs blieben aber schmale Wasserläufe erhalten. Das Plateau wurde zu einem Rückzugsort für Tiere wie Mähnenschafe, Paviane oder Krokodile. In manchen Tälern an der Westseite gibt es heute noch ganze Wälder. Kröpelin bezeichnet das Ennedi-Massiv deshalb gerne als „Garten Eden der Sahara“.

Auch die Geomorphologie des Plateaus ist unvergleichlich. Das Gebirge ist während des Paläozoikums vor 500 bis 350 Millionen Jahren entstanden und war Teil eines Urmeeres, das weite Teile der Sahara bedeckte. Nachdem das Meer versiegt war, blieben Sandsteinformationen zurück, die durch Wasser, Wind und Sand zu bizarren Gebilden geschliffen wurden.

Felsbilder im Ennedi-Massiv

Die Felsbilder dokumentieren die unterschiedlichen Arten der Tierhaltung durch die Jahrtausende. (David Stanley, CC BY 2.0)

In prähistorischer Zeit wurden die Höhlen des Ennedi-Massivs von Menschen als Wohnraum genutzt. Das belegen bis zu 10.000 Jahre alte Felsbilder. Die Darstellungen der Nutztiere dokumentieren eindrucksvoll die Veränderung der klimatischen Bedingungen. Kröpelin unterteilt die Bilder in eine Rinderepoche (ca. 8.000 – 3.000 Jahre alt), in eine Pferdezeit (3.000 – 2.000 Jahre) und in eine Kamelzeit (seit ca. 2.000 Jahren).

Auf ins Tibesti-Gebirge

Stefan Kröpelin ist kein Wissenschafter, der im Elfenbeinturm zuhause ist. Seine Forschungsergebnisse haben in Medien rund um den Erdball für enormes Aufsehen gesorgt. 2017 wurde er für diese Leistungen mit dem Communicator-Preis der Deutschen Forschungsgesellschaft und des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft ausgezeichnet.

In der Zwischenzeit hat sich Kröpelin bereits einem weiteren Forschungsschwerpunkt im Tschad zugewandt. Das Tibesti-Gebirge im Nordwesten ist bislang kaum erforscht.

Kröpelin hofft, dass das archäologisch und geologisch einzigartige Vulkangebirge zu einem weiteren Welterbe der UNESCO wird. Das wird zwar noch Jahre dauern. Aber man würde sich fast wundern, wenn Kröpelin das nicht auch noch gelingen würde.

Weitere Informationen über die Arbeit von Stefan Kröpelin und Baba Mallaye finden Sie auf ihrer ausgezeichneten Website. Die Fotos zu diesem Beitrag stammen von David Stanley, der seine großartigen Bilder auf Flickr freundlicherweise unter einer CC-Lizenz zur Verfügung stellt.

Titelbild: Der Elefantenfelsen im Ennedi-Massiv (Foto: David Stanley, CC BY 2.0)

 

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