Groß-Simbabwe: Eingang zur Bergruine
Kultur & Heritage

Biblischer Goldrausch in Groß-Simbabwe

Von am 5. September 2017

Die Ruinenstadt Groß-Simbabwe ist neben den Pyramiden der größte vorkoloniale Steinbau Afrikas. Die heutige Touristenattraktion beflügelte bereits die Fantasie europäischer Eroberer: Sie vermuteten dort das biblische Goldland Ophir.

Groß-Simbabwe bezeichnet heute ein 722 Quadratmeter großes Areal, das etwa 40 Kilometer südlich der Provinzhauptstadt Masvingo liegt. Die Siedlung war die Hauptstadt des Munhumutapa-Reiches und soll während ihrer Blütezeit bis zu 18.000 Einwohner beherbergt haben.

Seit 1986 zählt Groß-Simbabwe zum UNESCO-Weltkulturerbe. Nach archäologischen Datierungen wurde Groß-Simbabwe koninuierlich zwischen dem 11. und dem 15. Jahrhundert errichtet. Die Regenten von Groß-Simbabwe lebten in der Bergfestung auf der Anhöhe („Hill Complex“). Hier wurden 20 bis 30 Zentimeter große Vogelfiguren aus Speckstein gefunden, die seit 1924 als nationales Symbol von Simbabwe dienen.

Im südlichen Tal liegt das beeindruckendste Bauwerk der Anlage – die „Große Einfriedung“ („Great Enclosure“). Alleine für die 255 Meter lange Mauer wurden eine Million Granitsteine ohne Mörtel verbaut. Im Inneren der Einfriedung befindet sich der zehn Meter hohe „Konische Turm“, in dem lange Zeit eine geheime Schatzkammer vermutet wurde.

Die „Große Einfriedung“ (Bild: Simonchihanga – Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, Link)

Groß-Simbabwe zog die Europäer ab dem frühen 16. Jahrhundert in seinen Bann. Man glaubte, hier unermeßliche Reichtümer zu finden. Ausgangspunkt dafür war das Jahr 1502, als Vasco da Gama in der ehemaligen Hafenstadt Sofala im heutigen Mosambik den Überfluss an Gold und Edelsteinen bemerkte. Er glaubte zunächst, in Sofala das biblische Goldland Ophir gefunden zu haben. Im 1. Buch der Könige des Alten Testaments steht geschrieben, dass König Salomo aus Ophir 420 Talente (16.800 Kilogramm) Gold geholt haben soll.

Vier Jahre später berichtet Diogo de Alçacova am 20. November 1506 in einem Brief an den portugiesischen König, dass das Gold von Sofala aus Groß-Simbabwe stammt. Und im Jahr 1531 beschrieb Vicente Pegado, Hauptmann der portugiesischen Garnison in Sofala, Groß-Simbabwe wie folgt: „Inmitten der Goldminen auf der inländischen Ebene zwischen den Flüssen Limpopo und Zambesi steht eine Festung, die aus erstaunlich großen Steinen und ganz ohne Mörtel erbaut wurde.“

Der Ophir-Mythos überdauerte die Jahrhunderte. 1867 stieß der deutsch-amerikanische Jäger Jan Adams Render auf die Ruinen von Groß-Simbabwe und behauptete, dass „sie niemals von Schwarzen erbaut sein könnten.“ Render begleitete 1871 den deutschen Afrikaforscher Karl Mauch auf seiner Expedition in die ehemalige Hauptstadt des Munhumutapa-Reichs. Auch Mauch war überzeugt, das biblische Ophir vor sich zu haben.

Seine Theorie sorgte vor allem in Deutschland und England für viel Aufsehen. Der deutsche Kolonialist Carl Peters versuchte die Herkunft der Wörter „Ophir“ und „Afrika“ in einen Zusammenhang zu bringen. Der britische Schriftsteller Henry Rider Haggard machte den Mythos 1885 seinem weltbekannten Abenteuerroman „König Salomons Diamanten“ („King Solomon’s Mines“) populär.

Gold wurde in Groß-Simbabwe freilich keines gefunden. Der rassistisch motivierten Mär aber, dass die Siedlung nicht von Afrikanern erbaut wurde, tat dies keinen Abbruch. Statt der Ophir-Theorie setzte sich die Lehre durch, dass Groß-Simbabwe arabischen oder phönizischen Ursprung war.  Als Cecil Rhodes das Gebiet 1890 in Beschlag nahm, sagte er, dass er gekommen sei, um „die alten Tempel, die einst den Weißen gehört hätten“ zu sehen.

Bereits 1905/06 fanden Archäologen aber Hinweise darauf, dass Groß-Simbabwe von Afrikanern erbaut wurde. Diese Tatsache wurde aber von der weißen Kolonialherrschaft bestritten. Selbst als der Archäologe Peter Garlake in den 1960er-Jahren eindeutige Beweise dafür fand, dass die Anlage von den Vorfahren der Shona errichtet wurde, musste er 1970 Rhodesien verlassen.

Bild oben: Eingang zur Bergruine in Groß-Simbabwe (Bild: Shutterstock.com)

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