Wrack der Cabo Santa Maria auf Boa Vista, Kap Verde
Strand & Meer

Kap Verde: Das Geheimnis der „Cabo Santa Maria“

Von am 28. September 2018

Das Wrack der „Cabo Santa Maria“ ist ein begehrtes Fotomotiv bei Besuchern der Insel Boa Vista. Der spanische Frachter lief hier vor 50 Jahren auf Grund. Die geladene Fracht war spektakulär.

Boa Vista ist die drittgröße Insel von Kap Verde und gehört zur nördlichen Inselgruppe „Ilhas de Barlavento“ – den Inseln über dem Wind. Der Luftstrom bringt feinen Sand aus der Sahara und treibt diesen in riesigen Dünen über die Insel. In Reiseführern wird Boa Vista deshalb auch gerne als die „Sahara im Atlantik“ bezeichnet.

Die trockenste der kapverdischen Inseln ist als Paradies für Strandliebhaber und Wassersportler bekannt. Die kilometerlangen Strände am türkisfarbenen Wasser gelten als die schönsten von Kap Verde. Der stetige Nordostpassat sorgt für perfekte Bedingungen zum Surfen und Segeln.

Tourismus im Kommen

Seit Beginn der 1990er-Jahre wird der Tourismus auf Boa Vista entwickelt. Luxuriöse Ferienwohnungen und Hotels im maurischen Stil wurden errichtet. Im Oktober 2007 wurde der Flughafen „Boa Vista Rabil“ (heute: „Aristides Pereira International Airport“) eröffnet, der Direktflüge auf die Insel ermöglicht. Seitdem locken auch verstärkt Hotelburgen Pauschaltouristen mit All-inclusive-Angeboten.

Zu den Attraktionen der Insel zählen die Sandwüste „Deserto de Viana“, die alte Ziegelei „Fábrica da Chave“ sowie die unter Naturschutz stehenden Meeresschildkröten (Caretta caretta). Viele Touristen machen sich aber auch auf den Weg an die „Costa de Boa Esperança“, wo das Wrack der „Cabo Santa Maria“ pittoresk aus dem Meer ragt und vor sich hin rostet.

Impressionen aus Boa Vista, Kap Verde
Impressionen aus Boa Vista (Bild: Shutterstock.com)

Die „Cabo Santa Maria“ lief am 1. September 1968 an der „Costa de Boa Esparança“ auf Grund. Der spanische Frachter wurde 1957 gebaut und zählte mit einem Volumen von 4.952 Bruttoregistertonnen (ca. 14.000 Kubikmeter) damals zu den größten Frachtschiffen.

Claus Donau hat uns dankenswerte darauf hingewiesen (siehe Kommentar unten), dass die Hintergründe des Unglücks andere waren als hier ursprünglich dargestellt.

Von Südamerika kommend, lief das Schiff am 1. September 1968 an der „Costa de Boa Esperança“ auf Grund.

Die Besatzung konnte sich vollzählig an Land retten. Die Bevölkerung von Boa Vista erfreute sich indes an der Ladung: Die „Cabo Santa Maria“ hatte Autos, Maschinen und Kleidung geladen. Die Fracht war als Spende der Regierung des spanischen Diktators Francisco Franco an die damalige portugiesische Kolonie gedacht.

Die „Cabo Santa Maria“ war auf dem Weg nach Südamerika, als sie vor Kap Verde havarierte. Laut der von Claus Donau als Quelle angeführten spanischen Tageszeitung ABC hatte das Schiff 1.720 Tonnen Handelswaren wie verschiedene chemische Erzeugnisse, organische Düngemittel, Kork, Maschinen, Melonen, Oliven, Öl und Weine geladen.

Neben diesen Gütern transportierte die „Cabo Santa Maria“ eine besondere Fracht: Mit an Bord waren vier Kirchenglocken, die für Oskar Niemeyers neue Kathedrale von Brasilia gedacht waren.

Schatten der Vergangenheit

Kap Verde stand seit dem Jahr 1446 im Besitz Portugals. Während der autoritären Diktatur unter António de Oliveira Salazar führte Portugal einen unerbittlichen Kampf gegen politische Gegner. Traurige Berühmtheit erlangte das Konzentrationlager von „Campo de Tarrafal“ auf der kapverdischen Insel Santiago, in dem zahlreiche Gefangene den Tod fanden.

Am 27. September 1968 – also kurz nach der Strandung der „Cabo de Santa Maria“ – erlitt Salazar einen Schlaganfall. Sein Nachfolger wurde Marcelo Caetano, der im Zuge der Nelkenrevolution am 25. April 1974 seines Amtes enthoben wurde. Am 5. Juli 1975 rief Kap Verde schließlich die Unabhängigkeit aus – nach 529 Jahren unter portugiesischer Herrschaft.

Titelbild: StanleyMacCoyOwn work, CC BY-SA 3.0, Link

DESTINATIONEN
2 Kommentare
  1. Antworten

    Claus Donau

    10. November 2019

    Hallo, ich habe zufällig das Posting über die „Cabo Santa Maria“ gefunden. Ich fürchte, die meisten Infos sind von anderen Websites abgeschrieben worden, welche die selben Fehler aufweisen. Euer Begleittext sagt: „Von Südamerika kommend, lief das Schiff am 1. September auf Grund“ und weiter: „Die Cabo Santa Maria hatte Autos, Maschinen und Kleidung geladen. Die Fracht war als Spende der Regierung des spanischen Diktators Francisco Franco an die damalige portugiesische Kolonie gedacht.“
    Hier sind mindestens drei Fehler enthalten, die für die Interpretation des Vorgangs und damit für das Erlebnis vor Ort entscheidend sind:
    a) Warum hätte Franco dem kolonialen Erzfeind Portugal ein „Geschenk“ machen sollen? Portugal hatte sich doch im Vertrag von Tordesillas halb Südamerika unter den Nagel gerissen, für Spanien war damals wenig übrig geblieben.
    b) Doch selbst wenn Franco so etwas hätte tun wollen: Warum hätte er dann Maschinen und Autos aus Südamerika (und: aus welcher KFZ-Produktion dort?) in Richtung Europa verschiffen sollen, wo doch der Weg aus Spaniens eigener Maschinen- und KFZ-Produktion nach Capverde wesentlich kürzer und vor allem gewinnbringender war? Oder handelte es sich um ausgemusterte Waren, die er in Südamerika billig gekauft und als „Geschenk“ nach Capverde transportiert hatte?
    Leider sind die Infos über ein Geschenk Francos, über die konkreten Waren an Bord und über die Destination des Schiffes falsch. Das lässt sich belegen.
    1) Die spanische Tageszeitung „ABC“ berichtet am Mittwoch,den 18.09.1968 über die Havarie und den Weg von Spanien nach Südamerika (und nicht umgekehrt): “Por lo respecta a la carga, la componen 1720 toneladas de mercancía general, entre la de destacan diferentes partidas de productos químicos, abonos orgánicos, corcho, maquinaria, melones, aceitunas, aceite, vinos de Jerez y cuatro campanas consignadas para la catedral de Brasilia.” Quelle:
    http://hemeroteca.abc.es/nav/Navigate.exe/hemeroteca/sevilla/abc.sevilla/1968/09/18/027.html
    Diese vier Kirchenglocken waren ein Geschenk spanischstämmiger brasilianischer Donatoren und für die neue Kathedrale von Brasilia bestimmt, ihre Widmung laute: «Ofrenda de los enspañoles residentes de Brasil, en testimonio de su amor a esta generosa tierre y la hospitalidad de sus gentes, colaborando en ello el Instituto Español de Emicración.» (ABC vom 24.08.1968), Quelle: http://hemeroteca.abc.es/nav/Navigate.exe/hemeroteca/sevilla/abc.sevilla/1968/08/24/044.html
    Meine eigenen Recherchen zur Havarie wurden vom Militärhistoriker Dr. Fernando Pinto Cenbrian aus Burgos bestätigt. Die vier Kirchenglocken waren bei der Havarie vor Boa Vista im Meer versunken, 1977 wurden stattdessen andere Glocken in der Kathedrale von Brasilia eingesegnet (Quelle):
    http://fernandopinto-historiamilitar.blogspot.com/2007/10/taidos-espaoles-y-burgaleses-en-brasil.html
    Das Wrack und seine Geschichte sind hoch interessant, Interessierten sende ich gerne weitere Informationen: c.donau@hotmail.com / c.donau@merianverlag.ch
    Viele Grüsse aus Basel, Claus

    • Antworten

      afrika.info

      24. November 2019

      Sehr geehrter Herr Donau,

      vielen Dank für Ihren hochinteressanten Kommentar. Ich bin für jeden Hinweis auf eine korrekte Darstellung sehr dankbar!

      Liebe Grüße, Martin Sturmer

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