Ortsschild von Kolmannskuppe (Kolmanskop)
Kultur & Heritage

Eine deutsche Siedlung am Sand: Kolmanskop in Namibia

Von am 4. Mai 2017

Zacharias Lewala ist ein tragischer Held, von dem nicht viel mehr als sein Name überliefert ist. Der Eisenbahnarbeiter entdeckte am 10. April 1908 in der Wüste einen Rohdiamenten. Er war damit der Vater des Aufschwungs von Kolmanskop – der heute bekanntesten Geisterstadt in Namibia.

Lewala übergab seinen Fund seinem Vorgesetzten – dem 30-jährigen Oberbahnmeister der Deutschen Reichsbahn, August Stauch. „Sieh mal Mister, moy Klip (schöner Stein)“, soll der Hilfsarbeiter laut Berliner Zeitung zu seinem Chef gesagt haben.

Stauch vergewisserte sich, dass der Stein tatsächlich ein Diamant war. Dann sicherte er sich die Schürfrechte für die Gegend. Der junge Eisenbahner, der erst ein Jahr zuvor wegen seiner Asthma-Erkrankung noch Deusch-Südwestafrika gekommen war, wurde damit praktisch über Nacht zum Diamantenkönig der Kolonie.

Willkommen im reichsten Ort der Welt

In Kolmanskop, das damals offiziell Kolmannskuppe hieß, brach sogleich das Diamantenfieber aus. Bald bevölkerten 400 deutsche Glücksritter die Siedlung in der Namib. Und das, obwohl die Umgebung eigentlich als menschenfeindlich verschrien war: Bis zu 200 Sandstürme sollen dort pro Jahr gewütet haben.

Der Diamantenreichtum und wohl auch die niedrige Einwohnerzahl sorgten dafür, dass Kolmannskoppe zum Ort mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt wurde. Hier gönnten sich die Kolonialisten jeden erdenklichen Luxus: Die Chefs wohnten in komfortablen Jugenstilvillen mit verglasten Veranden. Es gab einen Fußballplatz, einen Turnsaal, eine Bäckerei, eine Fleischhauerei und eine Eis- und Limonadenfabrik.

Haus des Minenverwalers von Kolmannskuppe

Das Haus des Minenverwalters von Kolmannskuppe (Bild: Harald Süpfle/Wikipedia, CC BY-SA 2.5)

Das Krankenhaus von Kolmannskuppe sicherte sich einen besonderen Platz in der Geschichtsschreibung: Es war das erste Hospital der gesamten südlichen Hemisphäre, das ein Röntgen-Gerät bekam.

Das größte Problem war aber wohl die Wasserbeschaffung. Das kostbare Nass musste aus dem 1.000 Kilometer entfernten Kapstadt herbeigeschafft werden. Für die Einwohner war eine tägliche Ration von 20 Liter Wasser gratis. Wer mehr brauchte, musste dafür bezahlen.

Badewanne in Kolmanskop

Wer in Kolmannskuppe baden wollte, benötigte Wasser aus Kapstadt. (Bild: Oleg Znamenskiy/Shutterstock)

Neben der deutschen Bevölkerung lebten bei Kolmannskuppe auch 800 afrikanische Arbeiter. Die meisten von ihnen waren Ovambo, die in einfachen Baracken außerhalb der Ortschaft hausten und die Drecksarbeit erledigen mussten.

Der Aufstieg von Kolmannskuppe fand allerdings ein jähes Ende. 1931 galten die Diamtenvorräte als erschöpft, außerdem wurden an der Oranje-Mündung wertvollere Steine entdeckt. Der Exodus setzte ein, 1956 verließ die letzte Familie die Siedlung. In diesem Jahr wurde auch das Krankenhaus geschlossen.

Innenansicht eines Hauses in Kolmanskop

Wüstensand hat seit 1956 die Häuser erobert. (Bild: Kanuman/Shutterstock)

Seitdem hat die Wüste Kolmanskop fast gänzlich zurückerobert. In den Stuben der deutschen Villen türmen sich heute Dünen. Die bizarre Welt der versunkenen Geisterstadt ist als Fotokulisse hoch begehrt.

Weitgehend vergessen hingegen ist Zacharias Lewala, der den ersten Rohdiamanten gefunden hat. Er ging völlig leer aus. Nicht einmal der Fundort trägt seinen Namen. Stattdessen ist Kolmanskop nach dem Transportkutscher Johnny Coleman benannt, der hier 1905 von einem Sandsturm überrascht worden war und seinen Ochsenkarren im Sand zurücklassen musste.

Beitragsbild: Willem van de Kerkhof/Shutterstock

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