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Mingle Africa: Echte Begegnungen statt Klischees

Von am 7. April 2017

Stolze Masai-Krieger, ein mächtiger Löwe auf der Pirsch, die Schirmakazie vor dem tiefroten Sonnenuntergang – kaum ein Afrika-Prospekt kommt ohne diese Motive aus. Zwei junge Frauen haben einen neuen Weg eingeschlagen: Nora Witt und Tatjana Spähn von Mingle Africa pfeifen auf herkömmliche Afrika-Klischees und bieten stattdessen Begegnungen auf Augenhöhe.

Wir haben mit Tatjana Spähn über das Konzept gesprochen. Dabei hat sie uns auch ihre persönlichen Geheimtipps verraten.

Frau Spähn, Sie haben Mingle Africa Anfang 2016 gemeinsam mit Nora Witt gegründet. Was unterscheidet Mingle Africa von anderen Veranstaltern?

Wir versuchen konkret, unsere Reisen nicht mit gängigen Klischees zu bewerben. Schon bei der Tourbeschreibung achten wir darauf, dass wir eurozentrische Sichtweisen wie z. B. „ursprüngliches Afrika“ oder „Stammesriten“ nicht verwenden.

Tatjana Spähn und Nora Witt von Mingle Africa

Das Gründerteam von Mingle Africa: Tatjana Spähn (links) und Nora Witt (Bild: Mingle Africa)

Der zweite Punkt ist unser Verständnis von Nachhaltigkeit: Im Unterschied zu anderen Reiseanbietern, die darunter vor allem ökologische Aspekte sehen, verfolgen wir Nachhaltigkeit auf sozialer, ökologischer und wirtschaftlicher Ebene.

Was darf man sich von einer Reise mit Mingle Africa konkret erwarten?

Unser Ansatz steckt schon im Firmennamen. „To mingle“ bedeutet, sich unter die Menschen zu mischen. Wir wollen nicht, dass unsere Kunden mit dem Auto durch das Land hetzen und die Bevölkerung durch das Fenster beobachten. Wir wollen stattdessen Begegnungen auf Augenhöhe ermöglichen. Das kann passieren, wenn man eine Stadt zu Fuß erkundet oder mit dem Fahrrad übers Land fährt.

Darum findet sich in unserem Programm z. B. eine Jazz-Safari durch Kapstadt, bei der wir uns mit lokalen Jazzmusikern austauschen, oder eine Stadtwanderung zu den architektonischen Besonderheiten von Durban. Auch die Diskussion mit Studenten an der Universität Gulu über den 20-jährigen Bürgerkrieg im Norden Ugandas gehört dazu.

Sie haben das Thema Nachhaltigkeit bereits angesprochen. Die Vereinten Nationen haben 2017 zum Jahr des Nachhaltigen Tourismus erklärt. Wie sieht Ihr Ansatz im Detail aus?

Wir haben uns bereits vor der Gründung intensiv mit dem Thema beschäftigt. Ich habe Nachhaltiges Tourismusmanagement an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde studiert und meine Masterarbeit zum Thema „Nachhaltigkeit im Businessplan“ verfasst.

Wie bereits erwähnt, hat Nachhaltigkeit für uns eine ökologische, soziale und wirtschaftliche Komponente. So veranstalten wir nur Reisen mit einem Mindestaufenthalt von 15 Tagen, um die CO2-Emissionen im Rahmen zu halten. Auch fördern wir die lokale Wertschöpfung, in dem wir lokale Guides beschäftigen und in Familienbetrieben übernachten.

Unsere Reisen sind so geplant, dass unsere Kunden keine negativen Spuren hinterlassen. In unseren Augen kann aber ein Nachhaltigkeitskonzept niemals abgeschlossen sein: Wir optimieren laufend und wollen natürlich auch immer besser werden.

Was brachte Nora Witt und Sie eigentlich zur Idee, ein Reisebüro jenseits von Afrika-Klischees ins Leben zu rufen?

Nora und ich haben uns während unseres Studiums kennengelernt. Wir haben beide Geographische Entwicklungsforschung Afrikas an der Universität Bayreuth studiert. Durch das Studium sind wir sehr oft in Afrika gereist. Die Art und Weise, wie Afrika-Reisen beworben und auch durchgeführt wurden, hat uns immer gestört. Afrikanische Länder werden in der Regel auf Landschaften und Tiere reduziert. Das wollten wir ändern.

Kampala: Die pulsierende Hauptstadt von Uganda zählt zu den Lieblingsplätzen von Tatjana Spähn. (Bild: Mingle Africa)

Mit Ihrem „Campus Entwicklungspolitik“ haben Sie Workshops für 18 bis 25-Jährige in Uganda in Ihrem Programm. Was unterscheidet dieses Angebot vom beliebten Voluntourismus?

Beim Voluntourismus steht die Mitarbeit in sozialen oder ökologischen Projekten im Vordergrund, wie z. B. die Hilfstätigkeit in einem Waisenhaus. Beim „Campus Entwicklungspolitik“ zielen wir hingegen darauf ab, dass die Teilnehmer das Reiseland aus einer anderen Perspektive erleben und durch den Austausch mit der lokalen Bevölkerung profitieren.

So diskutieren wir z. B. mit Studenten in Kampala über das mediale Bild Ugandas in deutschen Medien oder sprechen mit lokalen Rangern über Artenschutzprojekte. Im Augenblick führen wir den „Campus Entwicklungspolitik“ nur in Uganda durch. Es ist aber geplant, das Angebot auf weitere Länder auszuweiten.

„Geheimtipps für Zugvögel“ heißt der Slogan vor afrika.reisen. Was sind denn Ihre persönlichen Lieblingsplätze in Afrika?

Der Kontinent ist so vielfältig, dass es fast ungerecht ist, Lieblingsplätze zu nennen. Mein persönliches Highlight in Uganda ist der Lake Mutanda mit dem herrlichen Blick auf die Virunga-Vulkane.

Auch Kampala gehört zu meinen Lieblingsplätzen – die Stadt ist einfach wahnsinnig spannend und kreativ. In Südafrika finde ich Soweto sehr spannend. Nora ist ja dort ein Jahr lang zur Schule gegangen – durch sie konnte ich das Township besser kennenlernen.

Bildnachweis Foto oben:  Sarine Arslanian/Shutterstock.com

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