Robben Island aus der Luft
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Robben Island: Auf den Spuren von Häftling 466/64

Von am 16. Oktober 2019

Wer Kapstadt besucht, muss unbedingt nach Robben Island übersetzen. Auf der Gefängnisinsel war Nelson Mandela 18 Jahre lang inhaftiert. Aber Achtung: Vor allem in der Hochsaison sind die Wartezeiten für Tickets lang.

Die Touren des Robben Island Museum starten derzeit um 9:00, 11:00, 13:00 und 15:00 Uhr. Ausgangspunkt ist der Nelson Mandela Gateway an der V&A Waterfront. Die Gesamtdauer des Ausflugs inklusive An- und Abfahrt beträgt etwa 3,5 Stunden.

Vor allem zu den Hauptreisezeiten ist Vorsicht geboten – die Tickets sollten rechtzeitig auf dem Buchungsportal bestellt werden.

Besucher von Robben Island warten am Nelson Mandela Gateway an der V&A Waterfront auf die Abfahrt der Fähre. (Bild: Peter Titmuss, Shutterstock.com)

Robben Island liegt zwölf Kilometer vor Kapstadt. Zwischen 1960 und 1990 waren 3.000 Männer auf der Gefängnisinsel inhaftiert – die meisten davon politische Gegner des Apartheid-Regimes.

Der prominenteste Häftling war natürlich Nelson Mandela, der hier zwischen 1964 bis 1982 hinter Gittern saß. Seine Häftlingsnummer lautete 466/64. Weitere bekannte Gefangene waren Walter Sisulu, Ahmed Kathrada, Tokyo Sexwale, Govan Mbeki oder Jacob Zuma.

Rundfahrt auf „Robbeneiland“

Die Fähre benötigt für die Fahrt durch die Table Bay etwa eine halbe Stunde. Bei der Ankunft im Murray’s Bay Harbour (1) im Osten der Insel warten bereits Busse auf die Besucher. Die Tour wird häufig von einem früheren politischen Gefangenen begleitet.

Die erste Station ist das Eingangstor, auf dem immer noch das Motto der Gefängnisbediensteten zu lesen ist. „We serve with pride“ steht dort auf Englisch. Die Afrikaans-Versions des Mottos „Ons dien met trots“ ist indes kaum mehr zu sehen.

Eingangstor zum Gefängnis von „Robbeneiland“ (Bild: Shutterstock.com)

Mandela landete allerdings auf dem Flugplatz (2), da er mit dem Flugzeug von Pretoria auf die Insel verlegt wure. Die ersten Tage verbrachten er und seine Mitgefangenen in der ursprünglichen Gefängnisanlage.

Am vierten Morgen wurden sie aber in den neuen Hochsicherheitsbau verlegt, der damals eben erst fertiggestellt worden war. Als Mandela seine Zelle bezog, waren die Wände sogar noch feucht – doch dazu später.

Der Bus passiert nun den Leprafriedhof (3), auf denen die Opfer der Infektionskrankheit begraben wurden. mit den Gräbern für Lepraopfer (3). Zwischen 1843 und 1931 war die Insel eine Leprakolonie.

Weiter Richtung Süden taucht links nun das kleine Robert-Sobukwe-Haus (4) auf. Der Gründer des Pan Africanist Congress (PAC) – die Organisation hatte sich 1959 vom ANC abgespalten – war hier zwischen 1963 bis 1969 in Einzelhaft.

Das Haus, in dem Robert Sobukwe zwischen von 1963 bis 1969 in Einzelhaft verbringen musste (Bild: HelenOnline – Own work, CC BY-SA 3.0, Link)

Eigentlich war Sobukwes Haftstrafe bereits 1963 zu Ende gegangen. Doch nach der sogenannten Sobukwe-Klausel, die in diesem Jahr erlassen wurde, konnte der Justizminister politische Gefangene ohne Anklage unbefristet in Haft halten.

Nach der Church of the Good Shepherd (5), die 1895 von Leprakranken errichtet wurde, fährt der Bus ins ehemalige Wohngebiet der Gefängniswärter ein. Hier lebten die Aufseher gemeinsam mit ihren Familien. Die meisten Reihenhäuser sind aber genauso verwaist wie die Tennisplätze (6) und die Minigolfanlage.

Nun macht der Bus kehrt. Auf dem Rückweg Richtung Gefängnis hält er am Kalksteinbruch (Lime Quarry, 7), in dem Mandela 13 Jahre lange schuften musste. Vor allem das gleißende Licht im Steinbruch machte den Gefangenen zu schaffen. In seiner Autobiografie „Der lange Weg zur Freiheit“ schreibt Mandela auf S. 546:

„Schlimmer als die Hitze im Steinbruch war das Licht. Unsere Rücken waren gegen die Sonne durch Hemden geschätzt, doch die Sonnenstrahlen wurden vom Kalk in unsere Augen reflektiert. Das Licht war so grell, daß uns die Augen schmerzten, und machte zusammen mit dem Staub das Sehen schwer. Die Augen tränten, unsere Gesichter bekamen wegen der ständig zusammengekniffenen Augen einen starren Ausdruck. Jeden Tag dauerte es nach der Arbeit lange, bis sich unsere Augen wieder an das dunklere Licht gewöhnt hatten.“

Der Antrag der Häftlinge auf Sonnenbrillen wurde von der Gefängnisleitung abgelehnt. Nach seiner Freilassung musste Mandela seine empfindlich gewordenen Augen schützen. Fotografen waren angehalten, Südafrikas Nationalhelden ohne Blitz zu fotografieren.

Der Kalksteinbruch, in dem Mandela 13 Jahre lang arbeiten musste (Bild: Vanessa Bentley, Shutterstock.com)

Der beklemmende Höhepunkt des Ausflugs nach Robben Island ist der Besuch des Hochsicherheitsgefängnisses (8), das Mandela wie folgt auf S. 516 in „Der lange Weg zur Freiheit“ beschreibt:

„Dieses neue Gebäude war eine einstöckige, rechteckige Festung mit einem flachen, gepflasterten Hof von etwa dreißig mal zehn Metern in der Mitte. Auf drei der vier Seiten lagen Zellen. Die vierte Seite bestand aus einer rund sieben Meter hohen Mauer mit einem Laufgang, auf dem Wachen mit deutschen Schäferhunden patrouillierten.“

Mandela bekam eine Zelle am Ende des Ganges zugewiesen. Die meinsten Besucher erschrecken angesichts des kleines Raumes, in der Mandela 18 Jahre seines Lebens verbringen musste. Der spätere Präsident Südafrikas beschrieb seine Zelle auf Seite 517 mit folgenden Worten:

„Mit drei Schritten konnte ich meine Zelle der Länge nach durchmessen. Wenn ich mich hinlegte, konnte ich mit den Füßen die Mauer fühlen, und mein Kopf streifte die Betonwand auf der anderen Seite. (…) Ich war 46 Jahre alt, ein zu lebenslänglicher Haft verurteilter politischer Gefangener; und dieser kleine, enge Raum sollte mein Heim sein – für wie lange, wußte ich nicht.“

Mandelas Zelle für den Zeitraum von 18 Jahren: Als Bett diente eine dünne Sisalmatte. (Foto: Shutterstock.com, Rowan Patrick)

Titelbild: Luftaufnahme von Robben Island (Foto: Shutterstock.com)

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